Sankt Georgener Gebet

Herr, Gott, himmlischer Vater,
sieh in Güte herab auf die Gemeinschaft der Sankt Georgener.
Segne die Priester, die schon in deinem Weinberg wirken,
und alle, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind.
Lass viele Menschen dem Ruf deines Sohnes folgen.

Sende du, Geber der Gnaden,
deinen Heiligen Geist auf uns herab,
erfülle unser Wissen und Werk mit deiner Kraft.    
Gib, dass wir uns für den Bau deines Reiches
in Gebet und Studium bereiten.

Lass uns alle, Gesunde und Kranke,
Nahe und Ferne, Lebende und Verstorbene,
eins sein in der Liebe deines Sohnes, des ewigen Hohenpriesters,
der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und herrscht,
Gott in alle Ewigkeit. Amen.

Das sogenannte Sankt Georgener Gebet wurde von einer Theologengruppe in den Jahren unter P. Paul Schütt SJ (Rektor in Sankt Georgen 1937–1944) verfasst. In den schwierigen Zeiten der nationalsozialistischen Herrschaft und der kriegsbedingten Zerstreuung vieler Seminaristen sollte durch dieses Gebet die Verbundenheit bewahrt werden. Dieser Text vermittelte vielen Studenten „einen starken inneren Halt im Grauen und in der Einsamkeit des Krieges“ (Zeugnis eines Seminaristen von 1951). Das Gebet wurde zur Hilfe, der persönlichen Berufung treu zu bleiben. Für Generationen von Priesterkandidaten blieb und bleibt dieser im Laufe der Jahrzehnte immer wieder behutsam weiterentwickelte Gebetstext ein konkretes Zeichen der Verbundenheit der Sankt Georgener untereinander.

Bis heute betet die Seminargemeinschaft diesen Text täglich nach dem Mittagessen vor dem Bild des Gekreuzigten in der Seminarkirche. Dieses Kreuzbild aus der Lombardei des 16./17. Jhs. kam durch eine Schenkung 1979 aus dem Tessin nach Sankt Georgen. Es ist Zeuge des Suchens und Ringens vieler Studierender im Gebet um eine authentische Lebensentscheidung. Es begleitet zusammen mit dem Sankt Georgener Gebet nicht wenige Alt-Sankt-Georgener Studenten auf ihren sehr unterschiedlichen Wegen im Weinberg des Herrn.