Berufung

Seht doch auf eure Berufung, Brüder!
Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme!
 (1 Kor 1,26)

So schrieb es ganz am Anfang der Völkerapostel Paulus an die Gemeinde von Korinth. Nun liegt Sankt Georgen nicht in Korinth, sondern in Frankfurt, und wir leben auch nicht knapp zwanzig Jahre nach der Auferstehung Christi. Dennoch bleibt wahr: Gott ruft von überall her und bestellt Menschen in seinen Dienst, selbst von dort und vor allem dorthin, wo die Welt es nicht für möglich hält.

Die ‚typische‘ Berufung

Vorneweg: Es gibt keine ‚typische‘ Berufung zum Priesteramt und auch keine klassische ‚Sakristeikarriere‘, in welcher ein besonders lateinkundiger Oberministrant einfach durchgereicht wird. Berufung ist immer konkret und persönlich: im Kontakt mit meinen Mitmenschen, in der Kirche erfahren ich mich als berufen – und zwar so, wie ich bin: mit meinen besonderen Fähigkeiten, aber auch mit meinen eigenen Schwächen. Den eigentlichen Ruf versuche ich aber in der Beziehung zu Gott zu hören, von dem ich glaube, dass er mich in seinen Dienst ruft; das schließt aber die Menschen, zu deren Hilfe mich Gott bestellt, nicht aus, sondern ich kann mich ihnen öffnen, wenn ich meine Berufung annehme.

Gemäß dem obigen Motto aus dem Korintherbrief kommen im Priesterseminar Sankt Georgen die unterschiedlichsten Männer zusammen: Sie unterscheiden sich in Herkunft, Diözesen, Alter, Berufserfahrungen, persönlicher Spiritualität, Hobbys, Studienerfahrung … Sie verbindet aber der katholische Glaube und die Freude, diesen an die ihnen einmal anvertrauten Menschen weiterzugeben.

Ich fühle mich berufen – Was nun?

Eine priesterliche Berufung wächst oft in einer Gemeinde oder Gemeinschaft. Wer in sich den Gedanken, zum Priestertum berufen zu sein, brennen fühlt, wendet sich üblicherweise an seinen Pfarrer oder eine andere geistliche Vertrauensperson. An vielen Orten allerdings wird Christentum heute unverbindlicher und mobiler gelebt und erlebt als noch vor 50 Jahren. Oft findet man eine lebendige christliche Gemeinde und die eigene spirituelle Heimat an einem anderen Ort als dort, wo man lebt und zu dessen Pfarrei man zählt. In einem solchen Fall ist eine Kontaktaufnahme direkt über den Heimatregens, den Ausbildungsleiter für die Priesterkandidaten, zu empfehlen. Auf der Seite www.berufung.org kann man herausfinden, wer für welches Bistum die Kontaktperson für einen geistlichen Beruf ist.

Wie stelle ich eine Berufung fest?

Die Berufung festzustellen ist ganz eng verbunden mit den Fragen: „Wer bin ich?“ und „Was will Gott von mir?“. Man kann diese Fragen gar nicht scharf voneinander trennen, denn dort, wohin Gott meinen Lebensweg lenken möchte, werde ich ganz erfüllt der sein, der ich zutiefst bin. Vielleicht hilft es auch weiter, wenn ich mir folgende Fragen stelle: Was entspricht mir? Was tut mir gut? Wohin zieht es mich? Doch eine letzte Klarheit werde ich nie erreichen, wenn es es nicht einfach mutig wage! Dazu gibt es die mehrjährige Ausbildungszeit im Priesterseminar, die Praktika, die Gespräche, die Zeit der Reflexion und des Gebets, damit ich mich selbst und auch die Kirche mich prüfen kann, ob ich geeignet bin, Priester zu werden. Hierin besteht die „kirchliche Dimension“ der persönlichen Berufung: Wer Priester wird, wird nicht allein gelassen.

Moritz Hemsteg