„Nichts gewesen außer… Frust?!“ – Diskussion über den Offenen Brief der elf Kölner Priester

Am Mittwoch, 22. März 2017 fand ab 19.00 Uhr in der Aula der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen als Kooperationsveranstaltung mit der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) eine Diskussion über den „offenen Brief“ statt, den elf Kölner Priester verfasst haben. Der Titel der Veranstaltung „Nichts gewesen außer… Frust?!“ zeigte bereits die kritische Bilanz an, die der Weihejahrgang in seinem Brief zog.

Natürlich ein Brief, der aufhorchen lässt und sich keineswegs – wie in den Medien rezipiert – nur mit der Frage des Zölibats beschäftigt. Auch keine rein negative Sicht auf Kirche und eigenen Berufungsweg. Ein Diskussionsabend, der gerade für angehende Seelsorger und besonders Priesterkandidaten interessant war. Obwohl am gleichen Abend das Fußballspiel Deutschland – England und das Finale des „Bachelor“ sicher den einen oder die andere lockte… Die Aula jedenfalls war gut besetzt, nicht nur Seminaristen, Jesuiten und Studenten, auch Pastorale Mitarbeiter und Gläubige aus Frankfurt waren gekommen. Immerhin hatte sogar die Frankfurter Neue Presse die Diskussion angekündigt.

Auf dem Podium saßen neben dem Mitverfasser des Briefes, Pfarrer Willi Hoffsümmer, auch der Juniorprofessor Wolfgang Beck, der Offizial der (Erz-)Bistümer Köln, Limburg und Essen, Prälat Dr. Günter Assenmacher und unser Mitbruder Moritz Hemsteg, als Priesterkandidat. Die Moderation lag bei Dr. Stefan Orth von der Herder-Korrespondenz.
Bevor es aber in die Diskussion ging, wurde der Brief nochmal im Wortlaut vorgelesen und schnell war klar, dass in ihm einige Punkte angesprochen wurden, die an dem Abend diskutiert werden müssten. Die Einsamkeit, die durch den Zölibat entstehe, war nur ein Thema des Briefes. – Allerdings eines, das Widerspruch erfuhr. So vermisste JProf. Beck die „Solidarität mit anderen, die unter Einsamkeit“ litten und kritisierte die einseitige Sicht nur auf die eigene Situation. Pfarrer Hoffsümmer betonte zudem, dass Einsamkeit nicht zwangsläufig mit dem Zölibat einhergehe. Die „hohen Scheidungsraten bei Evangelen“ seien ebenso bezeichnend und er für seinen Teil sei bei seinem vielen Engagement froh, „wenn ich hinter mir die Tür zumachen kann.“

Moritz Hemsteg stellte sich eine Frage, die sicher auch manchen anderen Mitbruder beschäftigte: „Was macht das mit mir?“, wenn langjährige Seelsorger so zurückblicken. Anderseits unterstrich er auch: „Das sind Ihre Erfahrungen“, unter jungen Priestern und Priesterkandidaten spielten andere Erfahrungen und Themen eine Rolle. Solche Erwartungen, wie nach dem II. Vatikanum gebe es heute so nicht mehr. Die Berufungswege seien heute anders als damals.

Ähnlich äußerte sich Prälat Assenmacher: „Ich sehe manches anders. Und habe keine solchen Erwartungen an das Konzil gehabt, wie Pfarrer Hoffsümmer und seine Kurskollegen sie gehabt haben.“ Das Konzil sei „eines von vielen in einer langen Reihe von Konzilien“ relativierte er. „Meine Bilanz“, resümierte er seine 40 Jahre als Priester, „ist nicht: Die Kirche hat mir viele Steine in den Weg gelegt, aber ich habe trotzdem etwas daraus gemacht.“

Hätten die Verfasser den Brief positiver wenden können, wird gefragt. Pfr. Hoffsümmer zeigte sich skeptisch: „Die Leute wissen nicht mehr, warum wir uns um den Altar versammeln.“ Es sei enttäuschend und „es tut weh“ zu sehen, wie vieles verloren geht oder nicht mehr so weitergehen würde, wie es einmal war. An dieser Sicht wurde sowohl von JProf. Beck als auch von Prälat Assenmacher Kritik geübt: Darf Kirche solche Erwartungen an Menschen stellen? „Müssen wir nicht aushalten können, dass die anderen anders sind als wir es uns wünschen?“, so Prälat Assenmacher.

Natürlich kamen auch die Fragen der Leitung von Laien (c. 517, § 2 CIC) und der Weihezulassung sogenannter Viri probati und von Frauen auf. Ebenso die Probleme der „XXL-Pfarreien“, wie auch immer sie in den einzelnen Ortskirchen betitelt werden.

Trotz allem: „Pfarrer-Sein ist dennoch beglückend!“, so JProf. Beck. Und auch Pfr. Hoffsümmer: „Ich würde das wieder machen.“ Denn so bekannte Prälat Assenmacher gegen Ende der Diskussion: „Christus ist die Mitte. Die Kirche ist der Ort, der ihn durch die Geschichte, in aller Gebrochenheit und Sündhaftigkeit, zu uns trägt.“ In allen Diskussionen sollte dies nicht vergessen werden. Den Priester-Sein bzw. Priester-Werden ist Berufung, nicht bloß Frust.

Interview mit Pfr. Hoffsümmer im Rahmen des Medienstudiums Sankt Georgen (Kamera: Philipp Müller | Schnitt und Interview: Katharina Penits).

22.03.2017
Johannes Köhler